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Erstes Dezember Wochenende 2009. Das Gamsstein-Treffen in Tirol steht auf dem Kalender. Bis kurz vor der Abreise ist nicht klar, ob ich nun fahren kann oder nicht. Erst ist meine Frau nicht fit und dann fährt mir schließlich noch die Hexe in den Rücken. Am Nachmittag vor der Abfahrt renkt mich der Doc noch ein worauf die Schmerzen schlagartig nachlassen.

Uwes Reisegruppe ist schon ziemlich früh vor Ort.
Kaum Spuren im tiefen Schnee ...

Freitag Morgen um 4.00 Uhr starte ich das Gespann. Schon auf den ersten Kilometern macht das viele Gepäck bemerkbar. Ich habe zuviel dabei ... werde ich mir das jemals abgewöhnen können? Ich glaube nicht. Es wird sich noch mal rächen ...

Ein Gespann steht hier falsch herum.

Schon im Spessart regnet es. Na klasse ... 500 km Anreise und es gibt Dauerregen. Ausser von schlechtem Wetter gibt es auf dieser Anreise nicht viel zu berichten. Fast die Hälfte davon ist es eh dunkel und es gibt nicht viel zu sehen. Ab Landsberg am Lech geht der Regen in dichtes Schneetreiben über ... egal. In Bad Tölz tanke ich noch mal und dann geht es auch schon in die Alpen. Entlang des Achensee habe ich teilweise Schneefahrbahn. Die IZH läuft ganz gut, nur im Bereich von 80 km/h im 4.Gang in der Ebene fängt der Motor an zu klingeln. Das kann aber umgangen werden in dem ich etwas mehr oder weniger Gas gebe. In niederen Gängen und bei hoher Drehzahl allerdings steigert sich das Klingeln zu einem ungesunden Stakkato ... da muß ich wohl noch mal bei.

Die Burschen müssen hart arbeiten um den Berg zu erklimmen.

Ich erreiche Pill und nehme die Auffahrt zum Kettenanlegeplatz in Angriff. Ziemlich steil ... Ausschließlich im 1. Gang geht es den Berg hinauf. Ich darf hier nicht in den "Klingelbereich" kommen daher geht es extrem gemütlich den Berg hinauf. Beim Sumperer treffe ich noch den Andreas Öttl und lasse die IZH einen Moment abkühlen.

Meter für Meter arbeiten sie sich hoch.

Oben angekommen treffe ich auf den Georg der verzweifelt an seinen Schneeketten arbeitet. Die Bedingungen sind verschärft, er kommt mit seinem 650er Russen trotz Seitenwagenantrieb nicht hinauf ohne Schneeketten. Darüber brauche ich mir keine Gedanken zu machen ... es ohne Schneekette zu versuchen. Noch völlig entspannt beginne ich mit der Kettenmontage.

Jupiter am Kettenanlegeplatz.

Zum Teil schaufeln sie sich Startrampen frei um den nächsten Anstieg zu schaffen.

Dank der guten Staudacher-Schneekette ist das sehr schnell erledigt. Ich fahre los. Immer im ersten Gang und mit ordentlich Drehzahl ... immer knapp unter dem "Klingelbereich". Es geht gut, sehr gut sogar. Der Weg schraubt sich immer weiter in die Höhe. Ich begegne dem Frank der sich nach einem abgebrochenen Versuch wieder ins Tal rollen läßt. Wir nicken uns kurz zu ... für mehr ist keine Zeit. Es wird steiler, tiefe Spurrillen zeugen von Kämpfen die hier stattgefunden haben. Die IZH wird unruhig und heiß. So leicht wie ich mir das auf dem ersten Teil der Strecke vorgestellt habe wird es scheinbar doch nicht. Und die Kehren stehen mir noch bevor ...

Aber schließlich sind sie oben.

Ich merke, dass die Übersetzung, mit der ich im Alltag ganz zufrieden bin, hier viel zu lang ist. Kaum geht die Drehzahl etwas in den Keller, geht der IZH die Kraft aus. Die "Kriteriums-Kehre" schon fast in Sichtweite bleibe ich hängen. Ich bin alleine, Schiebehilfe ist nicht in Sicht. Ich drehe um und versuche es von einem flacheren Stück aus nochmal. Ich bekomme die IZH ein letztes Mal noch in Fahrt, nach weiteren 50 m ist dann aber schon wieder schluß. Zu schwer, zu wenig Leistung, zu lang übersetzt. Weitere Anfahrtversuche quittiert die IZH mit Arbeitsverweigerung. Die Kupplung will nicht mehr. Beim Versuch umzudrechen rutsche ich mit dem Heck in Richtung Abrund, bleibe aber mit dem Hinterrad in einem Loch hängen. Puhhh ... erst einmal ausruhen.

Das Gamssteinhaus.

Beim Versuch das Gespann aus dem Loch zu zerren passiert es dann. Ein stechender Schmerz im rechten Knie und ich gehe neben meinem Krad wie ein gefällter Baum zu Boden. Ich schreie vor Schmerzen ... das ist kaum auszuhalten. Eine Viertel Stunde liege ich im Schnee und komme nicht auf die Beine vor Schmerzen. Schließlich ziehe ich mich an der IZH hoch und kann auf der Sitzbank ausruhen. Was passiert is weiß ich bis dahin nicht. Irgendwie scheint der Unterschenkel weggeklappt zu sein.

Uwes MZ.

Nach einer Weile kommt ein Gespannfahrer und hilft mir die IZH talwärts zu drehen. Alleine hätte ich es nie geschafft. Frustriert rolle ich ins Tal. Zurück auf dem Kettenanlegeplatz muß ich leider aufgeben. Keine Chance mit dem kaputten Knie die Auffahrt noch einmal zu wagen. Ausserdem stelle ich den Verlust meines Tankrucksackes fest. Auf dem Weg verloren. Inhalt: Navi, Mobilfon, Fotoapperat und vieles mehr. Ich habe keine Lust mehr.

Der Platz füllt sich mit Winterfahrern.

Als der Wirt mit seinem Geländewagen den Weg herunterkommt gebe ich ihm erst einmal mein Gepäck mit. Nur die kleine Tasche denn an Zelten ist grad nicht mehr zu denken.

Der halbe kahlgryndige ...

Der Karl fragt mich ob ich nicht als "Ballast" auf seinem Dieselgespann mitfahren möchte. Er hat keine Ketten und es fehlt im der Grip. Gerne willige ich ein. Immer noch besser als im Geländewagen ... Mittlerweile sind auch der Harald und der Thomas angekommen. Wieder einmal geht es bergauf. Auch der Karl hat Probleme. Zu breit und zu schwer ist der Diesel. Kraft ist reichlich da. Leider fehlen die Mittel sie auf den Weg zu bringen. Mehrfach rutschen wir in den Graben oder fahre uns fest. Immer wieder helfen sich die Gespannfahrer gegenseitig. Meter für Meter geht es voran. An der "Kriteriumskehre" wird es heftig. So gerne ich auch möchte, ich kann kaum helfen ...

Thomas ist erwacht ...

Kurz vor der letzten Kehre, das Gamssteinhaus schon in Sichtweite geht auch beim Karl nichts mehr. Wie einbetoniert sitzt sein Gespann im Graben fest. Der Karl zieht los den Wirten samt Geländewagen zu holen. Ich humple die letzten Meter irgendwie zum Gasthaus. Da der Karl alles blockiert kann mich auch keiner mit hochnehmen. Ich habe starke Schmerzen.

Überall werden Motoren zum Leben erweckt.

Oben angekommen begrüße ich erst einmal Kumpel Uwe (Koenich) und all die anderen. Ich bin froh hier zu sein. Auch mein Tankrucksack wurde gefunden und von einem Kollegen mit hoch genommen. Ich bin glücklich. Der Klaus (Ragman) informiert mich darüber, dass er sich in meinem Zimmer mit einquartiert hat. ??? Ich habe doch gar kein Zimmer gebucht ... Na wie auch immer, ein Buchungsfehler der sich als glückliche Fügung herausstellt. Ich freue mich über meinen Zimmergenossen und beginne den Abend. In der Gaststube sitzt auch der Rudi, Doktor seines Zeichens. Er untersucht umgehen mein Knie und meint das könne durchaus ein Kreuzbandriss, ein angerissener Meniskus oder beides sein ... Na super ... Ich bekomme noch Schmerzmittel und bin erst einmal frustriert.

Der Morgennebel kämpft gegen die Sonne und verliert schließlich.

Ich überlege was ich machen soll ... ADAC anrufen? Mhhh ... Gespann auf den Schandwagen obwohl nix kaputt ist, irgendwie blöd. Der Georg bietet mir an, mich und mein Gespann bis nach Hause zu bringen. Sein Sprinter samt Anhänger steht in Bad Tölz, wir müssen nur irgendwie die IZH dort hin bringen. Ich bin sehr beeindruckt ob seiner Hilfsbereitschaft. Die Geschichte mit dem ADAC wird immer unattraktiver. Trotzdem beschließe ich erst einmal die Kontaktaufnahme mit dem ADAC. Mal schauen, wie die sich so haben und wie hoch mein Leistungsanspruch wirklich ist. Um es kurz zu machen, die hätten mich auf jeden Fall nach Hause gebracht und mein Gespann auch. Mittlerweile habe ich jedoch schon beschlossen Georgs Angebot anzunehmen. So kann ich wenigstens noch den Samstag dort oben genießen.
Der kahlgryndige schafft sich einen Platz zum Sonnenbaden.

Und was das für ein Samstag ist. Feinstes Wetter. Nette Menschen und interessante Maschinen. Spontan wird ein kleiner Koch-Event angegangen der dann in wyrdigem Glühweingekoche endet.
Thomas und Harald.


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